Ayatollah Chamene‘i: Die Koalition gegen IS ist eine große Lüge

Nach dem vorläufigen Ende der Atomgespräche mit dem Iran hielt Ayatollah Chamene‘i vor seinen Anhängern eine Rede, die das Scheitern begrüßt.


Ayatollah Chamene‘i spricht am 25.11.2014 zu den vorerst gescheiterten Atomverhandlungen

Zusammengefasst sagte er, dass „die USA und die Kolonialmächte Europas“ versucht hätten, die Islamische Republik Iran in die Knie zu zwingen – dies sei ihnen aber nicht gelungen. Und es würde ihnen auch in Zukunft nicht gelingen.

Das Westjordanland müsse ausreichend bewaffnet werden. Man habe immer gesagt, dass man das Westjordanland verteidigen und mit Waffen unterstützen werde – und dies würde auch zukünftig unbedingt so gemacht. Man wolle sich von religiösen Auseinandersetzungen fernhalten. Aber man habe in der Vergangenheit die Hosbollah, die Hamas, den Islamischen Dschihad und sunnitische Gruppierungen in Palästina mit allen Möglichkeiten unterstützt und auch dies würde fortgesetzt.

Bevor Israel vernichtet werden könne, hätten sie und Palästina die Pflicht, mit starkem Willen bewaffneten Widerstand gegen Israel zu leisten.

Die Koalition gegen den IS sei eine große Lüge. Die „scheinbaren islamischen Gruppierungen“ wie den IS würden allesamt durch die USA, Israel und die europäischen Länder verwaltet und organisiert.

Ohne Kommentar.

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Über die Milch von Hühnern im Iran

Mohammed Ali Sayed Abrishami, der stellvertretende iranische Industrieminister, hat in einem Interview mit der Nachrichtenagentur ISNA erklärt, dass in den letzten 15 Jahren 14.000 Industriebetriebe im Iran pleite gegangen seien. Zur Zeit wären laut Abrishami 22.000 Industriebetriebe im Iran nur zu 50% ausgelastet. 24.000 weitere Betriebe würden lediglich mit einer Kapazität zwischen 50% und 70% arbeiten.


„Wir werden in jedem Fall für unser Recht kämpfen, Fleischindustrie Fars“

Als Ursachen werden von ihm das Problem billiger Importe von Konkurrenzprodukten ( Anm.: meist von mächtigen Pasdaranseilschaften organisierte Billigimporte) aus dem Ausland, fehlende Ersatzteile aufgrund der Sanktionen und die Schwierigkeit der Firmen, Kredite von den Banken zu bekommen, genannt.

Allein seit Hasan Rouhani an die Regierung gekommen ist, hätten 5.400 Betriebe schließen müssen. Abrishami sagte weiter, dass 70% der Industriebetriebe seit Beginn des Embargos große Probleme hätten oder kurz vor dem Bankrott stünden.

In diesem Zusammenhang gab der Sprecher von Rouhani, Mohammad Bagher Nobaht, bekannt, dass die Beschäftigungsrate im Industriesektor im letzten Jahr um 36% zurückgegangen sei. Von 841 großen Betrieben der Industriegebiete im Iran sind nur noch 192 große Betriebe weiterhin aktiv aber durchschnittlich nur zu 40% ausgelastet. 629 andere Betriebe wurden geschlossen.

Anmerkung:

Die Hardliner im Iran, also diejenigen, die von den herrschenden Machtstrukturen und den Mafiastrukturen beim Importhandel profitieren, haben kein Interesse, dass die Sanktionen gegen den Iran aufgehoben werden. Gerade unter den Sanktionsbedingungen blühen der Schmuggel, die Korruption und der illeagle Import, der wesentlich in der Hand der Pasdaran liegt, auf. Alleine 37 illegale Häfen im persischen Golf werden von den Pasdaran betrieben. Der Volksmund im Iran sagt, dass in diesen Häfen alles zu bekommen sei, vom Blut von Menschen bis zur Milch von Hühnern.

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Iran: Präsident beschwert sich beim Führer


Hassan Ta‘eb, die rechte Hand von Modschtaba Chamene‘i (dem Sohn des Religionsführers)

Der iranische Präsident Hassan Rouhani hat sich jetzt in einem Bericht bei Ajatollah Chamene‘i darüber beschwert, dass die Revolutionswächter (Pasdaran) offensichtlich nicht gewillt sind, sich der gewählten Regierung unterzuordnen und stattdessen einen systematischen Propagandakrieg gegen die Regierung betreiben. Dazu haben die Pasdaran sogenannte „Sicherheitshäuser“ eingerichtet, die unter der Kontrolle Hassan Ta‘eb stehen, dem Leiter des Geheimdienstes der Pasdaran.

„Sicherheitshäuser“ – wofür?
Nein, das sind keine Frauenhäuser, in denen die Opfer von Säureattentaten oder von prügelnden Ehemännern geschützt werden.
Ihre Aufgabe ist eine ganz andere: So verfassen sie Berichte, die die Lage im Iran noch schlimmer darstellen als sie ohnehin ist, und verteilen sie an die Presse, und wo es keine Fakten gibt, werden sie eben erfunden.

Parallelstaat
Für jedes Ministerium haben diese Sicherheitshäuser eine Parallelinstitution gegründet, die die Aktivität des heutigen Ministeriums überwacht und nach Wegen sucht, die Arbeit des Ministeriums zu untergraben, mit dem Ziel, die Regierung zu stürzen. Für diese Arbeit wurden ehemalige Minister aus der Zeit von Präsident Ahmadineschad angeworben, die ja wissen, was in den Ministerien vor sich geht, und auch noch über Kontakte verfügen.

Spontane Proteste
Andere Sicherheitshäuser sind für die Organisation von „spontanen Protesten“ zuständig, mit denen auch schon diverse Minister der Regierung Rouhani konfrontiert wurden. Weiter koordinieren diese Sicherheitshäuser die Zusammenarbeit mit fundamentalistischen Gruppen und Parteien, um die Arbeit der Regierung und die Atomverhandlungen zu sabotieren.

Schwarze Kassen für finstere Ziele
Eine weitere Aufgabe bestimmter Sicherheitshäuser ist es, Informationen zu sammeln, in welchen Ämtern, Schulen, Universitäten und anderen staatlichen Einrichtungen jemand entlassen oder eingestellt wurde. Denn Ahmadineschad hat an vielen Stellen seine Leute – und das im Einverständnis mit Ajatollah Chamene‘i – platziert, und offensichtlich will der Ajatollah auf diesem Weg die Übersicht behalten, wo seine Position gefährdet ist. Soviel Kontrolle kostet natürlich Geld. So waren zum September 2014 in diesen „Sicherheitshäusern“ 500 Personen fest angestellt, die für ihre subversive Arbeit gegen die Regierung ein monatliches Gehalt aus der schwarzen Kasse der Pasdaran erhielten.

Wieso beschwert sich Rouhani?
Man kann sich natürlich fragen, wieso Rouhani sich deshalb beim Religionsführer Ajatollah Chamene‘i darüber beschwert. Schließlich ist Rouhani lang genug mit dabei, um zu wissen, dass diese Aktivitäten auf den Wunsch des Ajatollahs erfolgen. Möglicherweise ist sein Ziel gar nicht der Religiöse Führer, sondern die iranische Öffentlichkeit. Denn auf diesem Weg kann er hoffen, die Machthaber im Hintergrund zumindest teilweise für sein Scheitern verantwortlich zu machen. Ob die Botschaft ankommt und ob es der Bevölkerung weiterhilft, ist eine andere Frage. Schließlich haben sie ihn gewählt, um etwas zu ändern, und nicht, um sein Gejammer anzuhören.

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Volleyball im Iran – Propaganda gegen das System?


Ghontsche Qawami

Die britisch-iranische Staatsbürgerin Ghontsche Qawami wurde vom Revolutionstribunal in Teheran wegen „Propaganda gegen das System“, „Spionage“ und „Bildung einer kriminellen Vereinigung gegen die Sicherheit des Landes“ zu einem Jahr Gefängnis und zwei Jahren Ausreiseverbot verurteilt. Bis zur Revisionsverhandlung wurde sie jetzt – nach Hinterlegung einer hohen Kaution – auf freien Fuß gesetzt. Ihr Anwalt, der darauf hingewiesen hatte, dass die Anklage absolut lächerlich sei und sie lediglich bei einem Volleyballspiel zugeschaut habe und danach festgenommen worden sei, wurde inzwischen wohl so unter Druck gesetzt, dass er sein Mandat an die Familie zurückgab und sie sich jetzt einen neuen Anwalt suchen muss.
Die eigentlichen Gründe für die Verhaftung sind unklar, haben aber wohl gar nichts mit der Person der Verurteilten zu tun.

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Teheran: Protest der Busfahrer

Über 200 Vertreter der Busfahrergewerkschaft haben sich in Teheran versammelt, um gegen den Vertragsbruch der Städtischen Busfahrgesellschaft Teherans zu protestieren. Vor acht Jahren wurde mit der Gewerkschaft vereinbart, dass die Städtische Busfahrgesellschaft, das sie aus dem Verkauf betriebseigener Grundstücke erhält, dazu verwenden wird, Busfahrer und ihre Familien zu unterstützen, eine eigene Wohnung zu erwerben. In den vergangenen acht Jahren wurden zwar eine Menge solcher Grundstücke verkauft, aber das Geld ist in andere Taschen gewandert, die Familien der Busfahrer haben nicht davon profitiert. Der Oberbürgermeister von Teheran hat auf die Briefe der Gewerkschaft nicht einmal reagiert.

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Atomverhandlungen mit dem Iran: Zugabe!

Heute ging die nächste Runde der Atomverhandlungen mit dem Iran zu Ende. In Wien konnte man sich darauf einigen, sich im Juli 2015 zur nächsten Runde zu treffen. Die iranische Seite konnte sich mit ihrer Forderung, die Sanktionen vollkommen aufzuheben und dem Iran die Uran-Anreicherungskapazitäten zu belassen, nicht durchsetzen. Die westlichen Verhandlungspartner wollten zumindest einen Teil der Sanktionen beibehalten, um ein Druckmittel zu haben, dass der Iran sich der Kontrolle der Internationalen Atomenergiebehörde unterwirft.

Zufriedene Gesichter bei den Radikalen
Da ab kommenden Januar der US-Senat und das Repräsentantenhaus von einer republikanischen Mehrheit beherrscht wird, sinkt die Wahrscheinlichkeit einer einvernehmlichen Lösung zwischen den USA und dem Iran. Umgekehrt wird auch Ajatollah Chamene‘i, der der religiöse Führer des Irans, mit der jetzigen „Lösung“ zufrieden sein. Zum einen schwächt sie innenp0litisch die Stellung von Präsident Rouhani. Denn solange die Sanktionen anhalten, wird sich die Wirtschaftslage nicht bessern, und das geht vordergründig zu Lasten der Regierung von Rouhani. Zum andern bleibt den Islamisten der gute alte Feind, der Große Teufel jenseits des Ozeans erhalten, was für die Erhaltung der Loyalität unter den eigenen Anhängern (Bassidschi-Milizen und Revolutionswächtern) von Vorteil ist. Wir hatten darüber berichtet.
Verlierer werden die normalen Iranerinnen und Iraner sein – sie werden mit immer weniger überleben müssen. Und für das angereicherte Uran, das die Ajatollahs so unbedingt behalten wollen, können sie sich weder Brot noch Wasser kaufen. Von leeren Versprechen wird man nicht satt.

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Wem gehören die Herzen der Massen im Iran?

Gholamreza Takhti (*1930 – †1968), war ein iranischer Freistilringer der zu seiner Zeit äußerst populär war. Aus einfachen Verhältnissen stammend, schaffte er es in kurzer Zeit zur Weltmeisterschaft (1951) und gewann bei vier Olympischen Spielen Gold- und Silbermedaillen. Sein Tod im Jahr 1968 kam überraschend und seine Umstände sind bis heute nicht geklärt. Es heisst, der iranische Geheimdienst SAVAK hätte ihn ermordet. An seiner Beerdigung in einem kleinen Ort 20 km östlich von Teheran nahmen ca. 1 Mio. Menschen teil. Damals war das eine große Überraschung, nicht nur für die iranische Regierung sondern auch für Opposition.

Mohammad Ali Fardin (*1930 – †2000) war ebenfalls ein starker iranischer Freistilringer, der an der Weltmeisterschaft in Tokio 1954 und bei den Olympischen Spielen 1956 große Erfolge feiern konnte. Nach seiner Zeit als Ringer setzte er seine Karriere als Schauspieler fort und spielte in zahlreichen iranischen Spielfilmen mit. Unter der islamischen Republik fiel er in Ungnade und konnte keinen einzigen Film mehr drehen. Wiederum völlig überraschend nahmen mehr als hunderttausend Menschen an seinem Begräbnis im Jahr 2000 teil.

Mahvash (*1920 – †1961) war eine berühmte iranische Sängerin, Tänzerin und Schauspielerin in der Zeit des Schahs. Sie stammte ebenfalls aus einer armen Familie und hatte zeitlebens ein offenes Herz für die Bedürftigen. In jungen Jahren musste sie als Prostituierte arbeiten, später wurde sie eine bekannte Darstellerin auf Teherans Bühnen. Sie errang bei den breiten Massen tiefe Bewunderung indem sie in ihren Liedern die Probleme, Schwierigkeiten und Frustrationen der einfachen Menschen ausdrückte, die sie selbst nur allzu gut kannte. Unglaublich viele Menschen kamen zu ihrer Beerdigung, worauf niemand vorbereitet war.

Morteza Pashaei (*1984 – †2014) war ein iranischer Sänger, Komponist und Popstar, der erst vor vier Tagen, am 14.11.2014, verstorben ist. Nach seinem Studium des Grafik-Designs an der Azad Universität begann er seine Musikkarriere, mit Liedern, die er zunächst im Internet über Youtube verbreitete. Vor etwa einem Jahr wurde bei ihm Bachkrebs diagnostiziert und seine Konzerte wurden abgesagt. An seiner Beerdigung nahmen Millionen Menschen im ganzen Iran teil. Die Straßen waren voll, der Verkehr in Teheran und anderen Städten brach zusammen.

Dieses Phänomen veranlasste einen Ayatollah gestern zu folgender Aussage: „Was haben wir in den letzten 26 Jahren gemacht, dass wenn ein Geistlicher aus unseren Kreisen stirbt, die Menschen Witze machen und sich freuen, während bei einem 30-jährigen jungen Menschen, der sich in einem islamischen System unislamisch verhalten hat (er meint, Popmusik und Singen überhaupt sei unislamisch) Millionen Menschen sehr höflich zu seiner Beerdigung auf die Straße kommen und dem iranischen Geheimdienst und der Polizei einen unkontrollierbaren und schweren Tag bescheren. … Wir müssen uns schämen …

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