Iran: Binnenkolonialismus in Balutschistan


der ermordete Moulawi Mostafa Dschangi-Sehi

Moulawi Mostafa Dschangi-Sehi, Freitagsprediger der sunnitischen Chasra-Moschee in Rask, war im Januar 2012 von der Gruppe „Dschond-ollah“ (Soldat Gottes) ermordet worden. Moulawi Mostafa Dschangi-Sehi galt als Vertreter von Ajatollah Chamene‘i, war ein Befehlshaber einer regionalen Basis der paramilitärischen Bassidschis, warb jugendliche Balutschen für die Bassidschi-Milizen an und verteidigte in seinen Predigten die Politik der Zentralmacht. Dadurch machte er sich in der mehrheitlich sunnitischen Region viele Feinde und er wurde wiederholt von der „Dschond-ollah“ bedroht. Obwohl die bewaffnete Gruppe „Dschond-ollah“ (Soldat Gottes) die Verantwortung für den Terroranschlag übernommen hat, haben die Sicherheitsorgane der Region den Mord als Vorwand genutzt, um sunnitische Geistliche in der Region als Unterstützer zu verhaften und von ihnen gewünschte Geständnisse zu erpressen. So erklärte das Geheimdienstministerium am 23. Farwardin 1391 (Anfang April 2012), dass 15 Personen aus dem „Unterstützerumfeld“ der Dschond-ollah verhaftet worden seien.

Feindliche Übernahme von religiösen Schulen
Die inhaftierten sunnitischen Geistlichen sollten sich öffentlich im Fernsehen für das Attentat als mitschuldig bekennen, die Regierungspolitik unterstützen und einwilligen, dass die sunnitischen Glaubensschulen unter staatliche Kontrolle gestellt werden. Die verhafteten Sunniten ließen sich auf diese Forderungen nicht ein.

Verschwindenlassen – alte Diktatorenpraxis
Unter den Verhafteten befindet sich auch der Freitagsprediger der Stadt Rask, Moulawi Fathi Mohammad Naqschbandi, dessen Haftort die Behörden bis heute geheimhalten. Als sich sein Sohn Moulawi Abdolghaffor Naqschbandi vergangenen Montag (14.05.2012) auf die Suche machte und mehr über die Vorwürfe und den Haftort seines Vaters erfahren wollte, wurde er bei der Rückkehr aus der Provinzhauptstadt Sahedan vor den Toren von Rask ebenfalls verhaftet. Frauen, die diesen Vorfall beobachteten, mobilisierten darauf die Bevölkerung, die sunnitischen Geistlichen der ganzen Region riefen zu Kundgebungen gegen diese Verhaftung auf. Die Menschen versammelten sich aus Protest vor der zentralen Sicherheitsbehörde in Rask. Darauf schossen die „Sicherheits“beamten in die Menge und erschossen dabei Dschan-Mohammad Dehqani. Bei seinem Begräbnis am folgenden Tag kam es zu weiteren Protesten gegen die Willkür der Zentralregierung.

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