Iranische Wirtschaft: Chronik eines angekündigten Todes

Wenn die Rede auf den Niedergang der iranischen Wirtschaft kommt, sind die iranischen Machthaber schnell mit Erklärungen zur Hand:
Es sind die arroganten Mächte des Auslands, die den Iran mit ihren Sanktionen in die Knie zwingen wollen, es sind die 300 Reichsten des Landes, die alle Devisen in die eigene Tasche stecken, nur eine Erklärung hört man nicht.
Es ist die Islamische Wirtschaft, die das Land in den Ruin treibt. Und das längst vor der Verhängung der UN-Sanktionen.

Islamische Wirtschaft – Bauern und Händler
Nach einer verbreiteten Auffassung der iranischen Geistlichkeit genügt es, wenn ein Land eine funktionierende Landwirtschaft und einen funktionierenden Handel besitzt. Der Handel wird über den Basar abgewickelt. Deswegen gehörten die Basarhändler von Anfang an zu den Unterstützern und Financiers der Islamischen Revolution, denn die industrielle Revolution, die der Schah eingeleitet hatte, drohte, die Macht des Basars zu beschneiden.
Die Revolution siegte, viele Firmen wurden religiösen Stiftungen übertragen oder teilweise enteignet, so dass die ursprünglichen Eigentümer weniger als 50% des Kapitals in der Hand behielten, der Rest ging an den Staat.
Was dann passierte, zeigen drei Beispiele:

Novaform, Fabrik für Straßenlampen
Die Fabrik wurde in den 1960-er Jahren von iranischen Ingenieuren unter britischer Beteiligung gegründet. Rabi‘i, einer der Ingenieure, war mit der Schwester des Schahs Aschraf Pahlawi befreundet. Auf einer Fläche von 3000 m2 wurden diverse Neonröhren, Glühbirnen, Projektoren etc. hergestellt, die Fläche der Fabrik wurde später erweitert. Die Firma hatte ca. 200 Angestellte. Nach der Revolution gingen 51% des Firmenvermögens an den Staat über, den Rest behielten die bisherigen Eigentümer. Die Angestelltenzahl stieg auf 300. Anfang 2000 wurde die Firma an einen 26-Jährigen zu einem lächerlichen Preis übertragen, der der „Stiftung der Entrechteten“ (Bonjad-e Mostas‘afin) nahestand. Der neue Eigentümer entließ die Angestellten der Reihe nach, bis nur noch 15 übrig blieben. Dann verkaufte er die Grundstücke der Firma und machte mit dem Immobiliengeschäft seine Gewinne, Neonröhren etc. werden nunmehr von der Firma nur noch importiert.

Parsilun, Fabrik für Nylonfäden
1979, kurz vor der Revolution, wurde in Chorramabad die Fabrik Parsilun eröffnet, die Nylon-Fäden produzierte. Zu Beginn beschäftigte die Fabrik 2500 Arbeiter, die Zahl stieg später auf 4000 Arbeiter an. Im Jahr 2003 wurde diese Firma an zwei Personen verkauft, die den Kaufpreis damit beglichen, dass sie bei der Bank einen Kredit aufnahmen. Die beiden Käufer waren Vertrauensleute von Asgarouladi, einem der einflussreichsten Vertreter des iranischen Basars. Die Käufer entließen nach und nach alle Arbeiter und machten ebenfalls wieder die Grundstücke des Unternehmens zu Geld. Statt die Nylon-Fäden selbst zu produzieren, importieren sie diese jetzt aus dem Ausland.

Die Industriezone Parand
Die Industriezone Parand wurde 30 km südlich von Teheran gegründet. Von den 250 ursprünglich aktiven Firmen sind noch 150 übrig geblieben, die nur noch zu 20-30 Prozent ihrer Kapazität arbeiten. Ein Unternehmer dieser Industriezone beklagt sich, dass der Staat nur immer Unterstützung verspricht, aber nichts einhält. Die Leidtragenden seien die Unternehmer genauso wie die Arbeitnehmer. Er meint: „Ich habe mehrere Milliarden Tuman ausgegeben, ich kann jetzt nicht mehr vor und nicht mehr zurück. Wenn der Staat doch wenigstens etwas Geld gäbe, damit ich mir ein Grab kaufen könnte, dann hätte ich endlich meine Ruhe.“

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