Iran: Die Erben des Schahs

Der Schah von Persien nutzte Nourus, das iranische Neujahrsfest, stets zu einer Neujahrsansprache ans Volk.
Das mit seinem Sturz an die Macht gekommene Regime der Mollas tat sein Bestes, das Neujahrsfest zu unterdrücken, konnte sich aber gegen die Bevölkerung nicht durchsetzen.
Es kommt einer Anerkennung dieser Niederlage gleich, dass der Religiöse Führer, Ajatollah Chamene‘i, jetzt ganz in der Tradition des persischen Schahs wieder vor die Bevölkerung tritt und eine Neujahrsansprache hält, diesmal am Grab des Imam Resa in Maschhad.
Ajatollah Chamene‘i beschränkte sich allerdings nicht nur auf fromme Wünsche.
Er meinte, das Neue Jahr sei der geeignete Zeitpunkt, sich über das vergangene Jahr Rechenschaft abzulegen, dabei dürfe man nicht nur die Schwächen betrachten, wie „Preissteigerungen und die Abnahme der Produktion in einigen Produktionseinheiten“ (gemeint ist die horrende Inflation und die Stilllegung weiter Teile der Industrie), sondern müsse sich auch die Stärken vor Augen führen. So habe man sich nicht von den wirtschaftlichen Druckmassnahmen klein kriegen lassen.
Er stellte dann die Frage: „Wo ist das wichtigste Nest der Verschwörung gegen das iranische Volk? Wer sind die Feinde des Volkes?“
Die Antwort für ihn war natürlich klar: Das Nest der Verschwörung ist nach wie vor die USA, dahinter folgt Großbritannien, das er zugleich als Lakaien der USA herabstufte, und schließlich fand auch Frankreich Erwähnung, das sich seit Sarkozy unter die Feinde eingereiht habe. Merkel und Berlusconi scheinen sich brav nach den Erwartungen der Ajatollahs verhalten zu haben, sie wurden nicht erwähnt. Dafür kam Ajatollah Chamene‘i auf Israel zu sprechen, das Lieblingsthema der Mollas seit Ajatollah Chomeini.
Bezogen auf die Regierung des Staates Israel meinte Ajatollah Chamene‘i, dass sie zu unbedeutend sei, um auch nur unter die Feinde gerechnet zu werden, außer Drohungen bringe sie eh nichts zustande. Und dann erklärte er wörtlich:
„agar ghalati az a:nha: sar bezanad, jomhuriye esla:miye ira:n, tel a:wiw wa hayfa: ra: ba: xa:k yeksa:n xa:had kard.“
„Wenn von ihnen ein Fehler ausgeht, wird die Islamische Republik Iran Tel Aviv und Haifa dem Erdboben gleich machen.“
Und nebenbei bekannte er auch noch, dass die Islamische Republik Iran eine wichtige Rolle im Acht-Tage-Krieg Israels gegen den Ghasa-Streifen spielte: Er sprach von der „starken Anwesenheit des Irans hinter den Kulissen des Acht-Tage-Kriegs von Ghasa“ („hozure qodratmanda:neye ira:n dar poshte sahneye jange hasht ruzeye ghaze .“).
Eine Kriegserklärung als Neujahrsansprache? Ja, und der Grund ist einfach. Wer selbst sein eigenes Land ruiniert hat, kann der eigenen Bevölkerung nichts mehr bieten. Was bleibt da noch, als von Fehlern der anderen zu sprechen?

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