Iran – Aserbaidschan: Auf dem Weg zur Spaltung?


Konferenz in Baku am 30.03.2013

Am Samstag, den 30.03.2013, fand im Hotel „Park Inn“ in Baku eine Konferenz zu dem Thema „Die Zukunft eines modernen Süd-Aserbaidschans“ statt. An dieser Konferenz nahmen von iranischer Seite Vertreter der „Jebhe-ye a:za:di-ye melli-ye A:zarba:yja:n-e jonubi /Güney Azerbaycan Milli Azadliq Cebhesi“ (Nationale Freiheitsfront Süd-Aserbaidschans) unter dem Vorsitz von Professor Qolamreza Sabri Tabrizi teil.

Wir sind ein geteiltes Volk
Seitens der Republik Aserbaidschan waren zwar keine offiziellen Vertreter anwesend, dafür aber Vefa Quluzade, der ehemalige politische Berater des vorigen aserbaidschanischen Staatschefs Haydar Alijew, der einen Vortrag über das iranische Atomprogramm hielt. Er sagte unter anderem: „Der iranische Staat (Regierung) hat keine Zukunft, dieser Staat (Regierung) präsentiert sich der Welt als Feind. Wenn der Iran in den Besitz von Atomwaffen kommt, kann dieses Regime noch lange andauern, ansonsten wird das Regime zusammenbrechen. Der Iran spielt in der Frage der Nuklearwaffen ein Spiel. Nach der Anreicherung des Urans wird die iranische Nuklearwaffe fertig gestellt werden. Wenn der Westen den Iran von innen nicht erschüttern kann, will er ihn zumindest zum Zusammenbruch bringen. Was wird dann aus dem Süd-Aserbaidschan? Der Süd-Aserbaidschan kommt in der jetzigen Lage in eine Situation, in der der Nord-Aserbaidschan seine Unabhängigkeit erlangt hat. Wir sind infolge der Auflösung der Sowjetherrschaft unabhängig geworden, die Süd-Aserbaidschaner dagegen werden ihre Unabhängigkeit infolge des Zusammenbruchs des iranischen Regimes erlangen. Deshalb müssen sich die im Süden und die Europäer ernsthafte Gedanken hierüber machen. Wir können dem Süden helfen. Dem entsprechend müssen wir auf dieses Problem vorbereitet sein. Wir sind ein geteiltes Volk, in der Zukunft werden wir zweifellos eins werden, aber diese Einheit kann nur in der Zukunft möglich werden. Der Aserbaidschan kann gemeinsam mit der Türkei dem Süd-Aserbaidschan im Kampf um die Unabhängigkeit große Hilfe leisten.“

Leuchtende Perspektiven
Weitere Themen waren das Austrocknen des Urumije-Sees, die Wirtschaftskrise im Iran und auch das Thema einer Vereinigung der Republik Aserbaidschan mit dem iranischen Aserbaidschan. So sprach Gültekin Hacibeyli, der ehemalige Abgeordnete des Parlaments der Republik Aserbaidschan: „Wenn das Problem Syrien beendet ist, ist das gleichbedeutend damit, dass ein Teil des „Körpers“ des Irans gelähmt wird. (…) Auf der anderen Seite wird die Türkei immer stärker, sie wird zur Supermacht der Region. An der Stärkung der Türkei haben die USA und die NATO ein großes Interesse. In so einer Lage eröffnen sich unserem Volk sehr große Perspektiven und auch Amerika wird auf die Türken setzen, die im Iran die größte Volksgruppe darstellen. Vor unserem Volk eröffnen sich am Horizont sehr große, leuchtende Perspektiven. Wir sind nicht vorbereitet und jetzt ist die Zeit, wo wir mit Vorbereitungen beginnen müssen.“
Ein weiteres Thema auf der Konferenz in Baku waren die politischen Gefangenen im Iran. So forderte Professor Qolamreza Sabri Tabrizi in seiner Abschlussrede auf der 4-stündigen Konferenz dazu auf, eine Unterstützungskampagne für die Familienangehörigen von (aserbaidschanischen) Aktivisten zu beginnen, die in Süd-Aserbaidschan (also im Iran) im Gefängnis sind.
An der Konferenz nahmen weiterhin teil: die Abgeordneten Qüdret Hesenquliyev, Ferej Quliyev, Arzu Semedbeyli, vom Vorstand der aserbaidschanischen Oppositionspartei Müsawat und Vertreter weiterer aserbaidschanischer Parteien.

Protest der iranischen Machthaber
Schon am Folgetag, am Sonntag, den 31.03.2013, protestierte Abbas Eraqchi (Eraqtschi), der Leiter der Abteilung für Asien und Australien/Pazifik im iranischen Außenministerium, in einer Protestnote gegen diese Konferenz. Diesen Protest überreichte er dem Botschafter der Republik Aserbaidschan in Teheran. Die iranische Regierung machte der Regierung Aserbaidschans den Vorwurf, dass sie eine solche Konferenz nicht unterbunden habe, was die freundschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Staaten gefährde. Auf der Konferenz seien Positionen gegen die territoriale Integrität des Irans vertreten worden.

Die iranische Opposition: Auf dem Weg zur Spaltung!
Die von Bewegungen wie der „Nationalen Freiheitsfront Süd-Aserbaidschans“ vertretene These, eine Trennung nationaler Minderheiten vom Iran und somit eine Teilung des Irans anzustreben, statt für einen Sturz des herrschenden Regimes und die Einführung einer Demokratie im Iran zu kämpfen, hat in der iranischen Opposition zu heftigen Auseinandersetzung geführt. Das geht so weit, dass iranische Aserbaidschaner, die im Regime der Mollas im Gefängnis gefoltert wurden und sogar die gleiche Zelle teilten, jetzt politische Gegner geworden sind.

Quellen:
Der von Radio Liberty in Prag getragene und von der US-Regierung finanzierte persischsprachige Sender Radio Farda vom 01.04.2013
http://www.radiofarda.com/content/o2_iran_azarbaijan_opposition/24943939.html

Die aserbaidschanische Webseite der Oppositionspartei Musawat (Republik Aserbaidschan) vom 31.03.2013 [9:56]
http://www.musavat.com/new/G%C3%BCnd%C9%99m/147796-%E2%80%9CG%C3%BCney_Az%C9%99rbaycan_m%C9%99s%C9%99l%C9%99sinin_h%C9%99lli_%C3%BC%C3%A7%C3%BCn_tarixi_%C5%9Fans_yaran%C4%B1b%E2%80%9D

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