Iran im Wahlkampf

50.000 in Teheran
Auch wenn Ahmadineschad zu den Präsidentschaftswahlen im Juni 2013 nicht mehr selbst antreten kann, setzt er alle Hebel des Staatsapparats in Bewegung, um Mascha‘i, den Vater seiner Schwiegertochter, als Nachfolger zu etablieren. Wie berichtet, veranstaltete er im Freiheitsstadion (Stadion-e Azadi) in Teheran eine große Party, um Sympathien zu gewinnen. Die Teilnehmer, die erschienen, bekamen kostenlos Essen verteilt und auch Essen zum Mitnehmen für zu Hause. Ahmadineschad schaffte es trotz der Busse, die aus dem ganzen Land Menschen ankarrten, gerade mal, in der 12-Millionen Hauptstadt 50.000 – 60.000 Menschen zusammenzubringen, das Stadium also halb zu füllen.
Als erfahrener Politiker sucht er auch die verschiedenen iranischen Provinzen auf.

10.000 in Ahwas
So besuchte er kürzlich Ahwas in Chusestan, wo er sich als arabischer Scheich einkleiden ließ und eine Rede hielt. Aber angesichts der zahlreichen Verhaftungen gegen arabische Aktivisten und mehrerer politischer Todesurteile gegen diese kamen zu Ahmadineschads Rede vielleicht gerade einmal 10.000 bis 12.000 Personen (nach staatlichen Angaben!). Allein Ahwas hat über 2 Millionen Einwohner.

5.000 in Tabris
Jetzt war er in Tabris, der Hauptstadt des iranischen Aserbaidschans, in der über 4 Millionen Menschen leben. Das Photo zeigt, dass nicht einmal der Rasen des Stadions gefüllt war, von den Zuschauerrängen ganz zu schweigen. Es waren etwa 5.000 ZuschauerInnen erschienen, das Stadion fasst 40.000.


Grad mal zwei Hansele… würde man in Konstanz sagen.

Die Bevölkerung in Aserbaidschan ist auf Ajatollah Chamene‘i schlecht zu sprechen, aber Ahmadineschad mag sich noch so sehr als Gegner der Mollas profilieren, auf ihn fallen die Menschen dort nicht rein.

Woher die Stimmen nehmen?
Angesichts dieser laufenden Schlappen könnte man meinen, Ahmadineschad habe verspielt. Aber er hat ja Erfahrung, wie man auch ohne Stimmen Wahlen gewinnt. Und das ist jetzt sogar sein neuester Trumpf. Über verschiedene Personen hat er die Nachricht verbreiten lassen, dass er als ehrlicher Politiker bei den letzten Wahlen (2009) mit seinen 16 Millionen Stimmen ganz zufrieden gewesen wäre, damit hätte er ja auch genug für den Sieg gehabt. Aber Ajatollah Chamene‘i habe angeordnet, man solle seine Stimmenzahl auf mindestens 24 Millionen erhöhen. Er – Ahmadineschad – sei dagegen gewesen, aber er habe sich nicht durchsetzen können. Von diesen Gesprächen hat Ahmadineschad Tonaufnahmen gemacht, mit deren Veröffentlichung er droht, wenn Mascha‘i vom Wächterrat nicht als Kandidat akzeptiert wird.
Was unser Saubermann dabei nicht erwähnt, ist folgendes Detail: Der Mann im Innenministerium, der ermordet wurde, weil er die richtigen vorläufigen Wahlergebnisse „voreilig“ bekannt gemacht hatte, hatte nämlich folgende Zahlen genannt: Mussawi mindestens 23 Millionen Stimmen, Karubi mindestens 7 Millionen und Ahmadineschad mindestens 4 Millionen.
Wie Ahmadineschad 16 aus 4 gemacht hat, bleibt sein Geheimnis, und sicher wird er versuchen, diese Rechenkünste auch bei den kommenden Wahlen anzubringen.

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