Irans Kandidaten – einer raus, einer rein

tür auf
einer raus
einer rein
nächster sein

(ernst jandl)

Ernst Jandl trifft den richtigen Ton, auch wenn er nicht den iranischen Wahlkampf charakterisieren wollte.


Ahmadineschad ist links zu sehen, Mascha‘i rechts

Ahmadineschad wählt seinen Nachfolger
Am Samstag, den 11. Mai 2013, ist Esfandyar Rahim Mascha‘i, der Vater von Ahmadineschads Schwiegertochter und Berater des Präsidenten, in der letzten Stunde vor Ablauf des Anmeldeschlusses für die Kandidatur zu den Präsidentschaftswahlen im iranischen Innenministerium erschienen. Vor der Tür des Ministeriums sprach er nochmals vor seinen Anhängern und wiederholte seine zusammengeschusterte These vom „Mahdawismus“, dem Warten auf einen Erlöser, als einer alten iranischen Tradition, die noch aus der Zeit des Manichäismus stamme und auch ins Judentum und Christentum eingeflossen sei. Er hatte schon früher in der Öffentlichkeit die Ansicht vertreten, dass der Islam seinen Universalcharakter verloren habe, man könne deshalb nicht von einem islamischen Iran sprechen, vielmehr gebe es einen iranischen Islam. Mit dieser nationalistischen Botschaft versucht Mascha‘i sich als Nachfolger für das Amt von Ahmadineschad zu profilieren. Die heftige Reaktion der Geistlichkeit auf diese unorthodoxen Vorstellungen dienen ihm als willkommene Wahlkampfhilfe.

Ali Akbar Dschawanfekr macht einen Rückzieher
Mascha‘i war nicht allein ins Rennen gezogen. Zuvor hatte Ali Akbar Dschawanfekr, Chef der staatlichen Zeitung Iran und Verantwortlichen der Nachrichtenagentur IRNA sowie Medienberater von Ahmadineschad, erklärt, er wolle sich um das Amt bewerben. Dies, obwohl er in die Mühlen der Justiz geraten ist und schon aus dem Grund keine Aussicht hatte, dass ihn der Wächterrat als Kandidaten zulassen würde. Aber die Registrierung genügte, um im Vorfeld Wahlkampf für das Lager um Ahmadineschad zu machen. Einen Tag nach der Registrierung von Mascha‘i beim Innenministerium, am Sonntag, den 12. Mai, zog Dschawanfekr seine Registrierung zurück.

Rahimi hält es genauso
Mohammad Resa Rahimi, Vize-Präsident unter Ahmadineschad, hielt es genauso. Er war u.a. in verschiedene Finanzskandale verwickelt. Kaum hatte er sich als Kandidat registrieren lassen, veröffentlichte die zuständige Ermittlungsbehörde in den Medien Unterlagen, aus denen hervorging, dass Rahimi eine Veruntreuung von 450 Mio Tuman zur Last gelegt wird. Mit anderen Worten, auch er hätte unter diesem Vorwand vom Wächterrat problemlos abgelehnt werden können. Und so zog auch er am 12. Mai seine Registrierung zugunsten von Mascha‘i zurück.

Der Religiöse Führer: Nebelkerzen statt Weihrauch
Auf Seiten von Ajatollah Chamene‘i war man bemüht, diverse Kandidaturen vorzuschieben, um sich nicht in die Karten blicken zu lassen. So hatten Haddad Adel, der Vater der Frau von Modschtaba Chamene‘i und somit Schwiegervater des Sohns von Ajatollah Chamene‘i, kandidiert, ebenso der ehemalige iranische Außenminister Ali Akbar Welajati (er ist in Deutschland im Zusammenhang mit der Mordaffäre Mykonos in Berlin bekannt). Auch er hatte sich im Auftrag des Führers als Kandidat beworben. Dritter im Bunde war Bagher Qalibaf, der Oberbürgermeister von Teheran, ein Scharfmacher erster Güte, was einen nicht wundert, wenn man weiß, dass er ein General der Revolutionswächter und zeitweilig der oberste Chef der iranischen Polizei war. Sie hatten zu dritt Wahlkampf betrieben und im voraus erklärt, dass sie dann zwei von ihnen zugunsten des Dritten zurücktreten würden, wenn klar sei, wem Ajatollah Chamene‘i den Vorzug geben würde.

Es kam anders
So wurde bekannt, dass Sa‘id Dschalili, Vorsitzender des Obersten nationalen Sicherheitsrats des Irans und der iranische Unterhändler in den Atomverhandlungen mit der EU, sich am Samstag als Kandidat registrieren ließ. Einen Tag später gaben Ali Akbar Welajati und Haddad Adel bekannt, dass sie ihre Kandidatur zurückziehen, von Qalibaf ist noch nichts bekannt. Der rasche Rückzug bedeutet jedenfalls, dass Dschalili die volle Unterstützung des Ajatollahs genießt. Was das bedeutet, wird sich noch zeigen. Denn im Vorwahlkampf hatte das Trio Qalibaf-Welajati-Adel schon feststellen müssen, dass sie nirgendwo viel Publikum anzogen, wenn es nach den abgegebenen Stimmen ginge, könnte sich der Kandidat schon jetzt begraben lassen. Aber wir wissen ja…

Und die Reformisten?
Ex-Präsident Chatami hat schon im Vorfeld bekannt gegeben, dass er keinen Sinn darin sieht, zu kandidieren, er hätte eh nichts zu sagen, wenn er gewählt würde. Und auch zum Ablauf der Wahlen meinte er ganz realistisch, selbst wenn seine Kandidatur vom Wächterrat zugelassen würde, bekämen sie nicht mehr Stimmen, als ihnen zugedacht ist.


Suchbild: Wer findet den Ajatollah zwischen den Kameras und Mikrophonen?

Ajatollah Rafsandschani steigt ein
Ja, und es gibt noch einen Kandidat der letzten Minute, Ali Akbar Rafsandschani, auch er Ajatollah.
Während er seine Emissäre ausschickte, der eine ging bis in den Irak zu Ajatollah Sistani, der andere, Dr. Ali Mottahari (Parlamentsabgeordneter), suchte gleich fünf Ajatollahs auf, u.a. den einflussreichen Ajatollah Tabassi in Maschhad, hielt er sich öffentlich stets zurück und meinte, ohne Einwilligung des Religiösen Führers (Ajatollah Chamene‘i) werde er nicht kandidieren, das schade nur der Sache. Und noch in den letzten Minuten vor Wahlschluss sagte er, er werde nur kandidieren, wenn der Religiöse Führer nicht dagegen sei (er hat seine Bedingung also abgeschwächt). Wie Mascha‘i inszenierte er seine Registrierung als eine Überraschung der letzten Stunde, und so trafen sich die beiden Wahlkampfrivalen im Innenministerium. Dass seine Entscheidung nicht in den letzten Minuten gefallen ist, wie seine Anhänger glauben machen wollen, kann man daran erkennen, dass seine Leibwächter die Sicherheit im Innenministerium schon am Vortag abcheckten. Wie man sieht, traut hier keiner keinem, die Herrschaften wissen ja, mit wem sie es zu tun haben.
Auch noch eine weitere „Überraschung“ wartete auf Ajatollah Rafsandschani – eine Zahl von über Tausend jungen Anhängern, die vor dem Innenministerium in gut einstudiertem Chor die Kandidatur Rafsandschanis anpriesen und ihn gar zum Erretter (Nadschi) stilisierten. Spontan war das nicht. Auch wurden diese Anhänger nicht von der Polizei behindert oder vertrieben.
Chatami erklärte bald nach Bekanntwerden der Kandidatur von Rafsandschani, dass er darüber hoch erfreut sei.

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