Ahle Haqq (Iran): eine Minderheit wehrt sich

Ahle Haqq ist eine religiöse Minderheit innerhalb der Schiiten, die im Iran schätzungsweise eine Million Anhänger umfasst. Obwohl sie sich selbst als Muslime und Schiiten verstehen, sind ihre Rechte nicht im iranischen Grundgesetz verankert, sie haben auch keine eigenen Abgeordneten im Parlament (im Gegensatz zu den Juden und Christen). Die fehlende rechtliche Anerkennung führt immer wieder zu Eingriffen in ihre Religionsfreiheit.
So wurde am 12. Chordad 1392 – Sonntag, den 2. Juni 2013 – ein Angehöriger der Ahle Haqq namens Kiyumars Tamanak, der im Gefängnis von Hamedan in Haft war, von Beamten geprügelt und sein Schnurrbart mit Gewalt abgeschnitten, obwohl er im Glauben der Ahle Haqq eine wichtige Rolle spielt.
Aus Protest gegen diese erniedrigende Behandlung begab sich ein Freund von Kiyumars vor die
Polizeidirektion von Hamedan, hielt dort eine Rede über die Unterdrückung der Ahle Haqq im Iran und schritt dann plötzlich zur Selbstverbrennung. 60% seiner Haut wurde dabei zerstört, der Mann wurde ins Krankenhaus gebracht. Nur drei Tage später, am 15. Chordad (Mittwoch 5. Juni 2013)
wiederholte ein zweiter Angehöriger der Ahle Haqq namens Nikmard Taheri aus Sahne (Kurdestan), der in Sawe wohnte, die gleiche Form des Protests vor der Polizeidirektion Hamedan. Vor laufender Kamera verbrannte er sich. Er starb an den Folgen der Verbrennungen. Der iranische Geheimdienst löste die versammelte Menge auf und nahm den Filmemacher fest. Die Leiche des Verstorbenen behielt der Geheimdienst ein.
Darauf verabredeten sich die Menschen in Sahne, sich am Sonntag, den 9. Juni, vor der Polizeidirektion von Sahne zu versammeln (im Iran ist Sonntag ein Arbeitstag) und die Herausgabe der Leiche zu fordern. Der Geheimdienst, der die Telefonate abhörte, erfuhr davon und händigte die Leiche noch in der selbigen Nacht um 4 Uhr morgens der Familie aus. Zugleich ließ er die Familie eine Verpflichtungserklärung unterschreiben, den Toten ohne Aufsehen zu bestatten.
Das hinderte die Gläubigen der Ahle Haqq und die Freunde des Toten nicht daran, sich trotzdem zu versammeln, und so hielten sie vor der Polizeidirektion von Sahne eine große Trauerfeier ab.
Der Geheimdienst griff nicht ein, weil er vor weiteren Reaktionen in dieser Atmosphäre Angst hatte.
Am 10. Juni kamen mehrere Tausend Ahle Haqq vor der Provinzverwaltung von Kermanschah zum Sitzstreik zusammen. Sie forderten die Bestrafung der Beamten, die den Kollegen im Gefängnis geschlagen und seinen Schnurrbart gestutzt hatten sowie die Anerkennung ihrere religiösen Rechte im iranischen Grundgesetz. Der Vize-Gouverneur der Provinz versprach ihnen, dies an die oberen Stellen weiterzuleiten.
Die Angst vor einem Überspringen der Proteste dürfte die Staatsorgane daran gehindert haben, brutaler gegen die Demonstranten einzuschreiten.

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