Iran: Ajatollah Taheri Esfahani verstorben

Am 2. Juni 2013 ist der ehemalige Vertreter von Ajatollah Chomeini in der Provinz Isfahan, Ajatollah Seyyed Dschalal od-Din Taheri Esfahani, im Alter von 87 Jahren verstorben. Ajatollah Taheri hatte 30 Jahre lang als Freitagsimam im Isfahan gepredigt und war dann im Jahr 2002 von seinem Amt zurückgetreten. In seinem Rücktrittsschreiben kritisierte er die weit verbreitete Korruption der religiösen Herrschaft im Iran. In einem weiteren öffentlichen Brief vom 30. Juni 2009, nach den gefälschten Präsidentschaftswahlen desselben Monats, bezeichnete er die Präsidentschaft von Mahmud Ahmadineschad als illegitim.
Der Ajatollah, der am 1. Januar 1926 geboren worden war, war zusammen mit Ajatollah Montaseri und Ajatollah Chomeini einer der führenden Geistlichen, die zu den Gegnern des Schahregimes zählten.

30.000 gehen auf die Straße
Trotz der massiven polizeistaatlichen Maßnahmen im Vorfeld der jetzigen Präsidentschaftswahlen ist es den Staatsorganen nicht gelungen, Protestkundgebungen im Rahmen der Begräbnisfeier von Ajatollah Taheri zu unterbinden. Ungeachtet aller Behinderungen und Schikanen kamen über 30.000 Menschen zusammen, um dem Ajatollah das letzte Geleit zu geben. Nicht nur das, aus den Reihen der Prozessionsteilnehmer waren laut vernehmbar Protestparolen zu hören, die von einer großen Zahl von Menschen gerufen wurden.

Freiheit für Karubi und Mussawi gefordert
Die Teilnehmer des Trauerumzugs forderten die Freilassung der politischen Gefangenen, namentlich auch Freiheit für Karubi und Mirhossein Mussawi, die bei den Präsidentschaftswahlen von 2009 die Oppositionsbewegung symbolisierten, und sie wünschten dem Diktator einen unruhigen Schlaf. Dies ist schon das zweite Mal, dass trotz der handverlesenen Präsidentschaftskandidaten, trotz der Bedingung, dass die jetzigen Kandidaten für jede einzelne Kundgebung im voraus eine Genehmigung beantragen müssen, das zweite Mal, dass öffentlicher Raum für Proteste genutzt wurde. Das erste Mal war dies bei einer Wahlveranstaltung von Hassan Rouhani in der Moschee Dschamaaraan in Teheran geschehen.

Die Lektion gelernt?
Der staatliche Gewaltapparat hat aus den Präsidentschaftswahlen von 2009 gelernt. Obwohl damals schon ein Jahr im voraus die Niederschlagung von Protesten geübt worden war, gelang es den damaligen bewaffneten Staatskräften nicht, die Menschen daran zu hindern, nach dem Wahlbetrug zu Millionen auf die Straßen zu gehen. Nach eigenem Bekenntnis der Führung der Revolutionswächter (Pasdaran) benötigten sie geschlagene zwei Jahre, bis sie das Volk wieder zum Schweigen gebracht hatten. Ein zweites Mal wollen sie es gar nicht so weit kommen lassen. Ob ihnen das gelingt, steht auf einem anderen Blatt, denn der rasante Niedergang der iranischen Wirtschaft hat ein gewaltiges Protestpotential geschaffen.

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