Kermanschah (Iran): 20 Hizbullahis schreien Rafsandschani nieder

Tod für Amerika – die Parole der Fundamentalisten
Anlässlich des Todestags des Ajatollahs Aschrafi Esfahani war Ajatollah Rafsandschani am 14. Oktober 2013 nach Kermanschah gekommen, um dort in der Versammlungsmoschee zu reden. Über Tausend Menschen waren gekommen, um ihn zu hören. Und nicht nur das. Eine Gruppe von etwa 20 gut organisierten Radikalen verschaffte sich Platz in den vordersten Rängen, woran sie von den Sicherheitskräften offenkundig nicht gehindert wurden.
Als Ajatollah Rafsandschani zu reden begann, schrien sie ihn mit der Parole „Tod für Amerika“ so lange nieder, bis er seine Rede vorzeitig beendete. Die Mehrheit der Anwesenden stimmte gegen diese kleine Gruppe zwar Parolen zugunsten von Rafsandschani und den Ex-Präsidenten Chatami an, aber was war der Lohn: Einige von denen, die die Pro-Parolen führten, wurden danach von den Sicherheitskräften verhaftet. Hier hatten die Ordnungshüter offensichtlich keine Angst und keine Bedenken.

Das Ansehen der Geistlichkeit ist gesunken
Am Abend des selben Tages sprach Ajatollah Rafsandschani in Chomeini-Schahr, einer Ortschaft in der Nähe von Kermanschah, an einer Ausbildungsstätte für Geistliche vor den versammelten Geistlichen. Dort beklagte er, dass die Politik der Vorgängerregierung (gemeint ist Ahmadineschad) dazu geführt habe, dass die Bevölkerung die Geistlichen mit skeptischen Augen betrachte und einige Geistliche schon zu ihm gemeint hätten, sie trauten sich in ihrer Kleidung nicht mehr an die Öffentlichkeit, weil man sich über sie lustig mache.

Seda wa Sima – die Zensurkiste
Am Tag darauf, das heißt am Dienstag, den 15. Oktober 2013, legte Ajatollah Rafsandschani im Interview mit der staatlichen Nachrichtenagentur Mehr noch eins nach.
So sagte er: „Die Hochschulen müssen aus den Fesseln der Sicherheitskräfte befreit werden. (..) Es darf keine Ausschlüsse von Studenten mehr geben und auch keine, gegen die „Sternchenlisten“ geführt werden (Anmerkung: die dann zum Rauswurf aus der Uni führen).“
Zur staatlichen Zensur meinte er: „Das iranische Volk steht nicht mehr unter dem Einfluss der staatlichen Rundfunk- und Fernsehgesellschaft Seda wa Sima, einer Kiste, die dem Volk nur zensierte Nachrichten vorlegt. Das iranische Volk ist aufgeklärt und leiht dieser Zensur-Kiste nicht mehr ihren Verstand und ihr Ohr.“

Woher der Mut?
Diese scharfen Worte würden zur Verhaftung führen, wenn sie ein normaler Bürger ausspräche. Selbst die positive Erwähnung seines Namens und des von Chatami führte ja schon dazu, dass einige seiner Anhänger in Kermanschah verhaftet wurden, obwohl sie keinerlei kritischen Parolen gerufen hatten.
Dass Ajatollah Rafsandschani, der sich unter Ahmadineschad vor allem im Schweigen übte, jetzt so offen vorgeht, zeugt von einem andauernden Machtkampf an der Spitze.
Ajatollah Rafsandschani, der jetzt durch diverse iranische Städte tourt, ist wohl zur Auffassung gekommen, dass er das Volk auf seine Seite bringen muss, um sich gegen den Religiösen Führer durchsetzen zu können. Dass er sich überhaupt traut, so aufzutreten, zeigt, dass die traditionelle, konservative Geistlichkeit hinter ihm steht.

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