Maschhad (Iran): Die Fundamentalisten halten die Stellung


Ajatollah Alam ol-Hoda, der Freitags-Imam von Maschhad

Ajatollah Alam ol-Hoda, der Freitags-Imam von Maschhad, einem wichtigen religiösen und wirtschaftlichen Zentrum des Irans, hat am Montag, den 21. Oktober 2013, vor Bassidschi-Studenten in Maschhad gesprochen. Dabei erwähnte er, dass allein in der Region Chorassan, dessen Zentrum Maschhad ist, 57.000 Bassidschis als Studenten registriert sind. Die Bassidschis sind eine paramilitärische Miliz unter der Führung der Revolutionswächter (Pasdaran), und dienen den Fundamentalisten als bewaffneter Arm. Sie wurden zum Beispiel für den Überfall auf die britische Botschaft vor zwei Jahren, für den Angriff auf Präsident Rouhani bei seiner Rückkehr aus New York oder jüngst zum Niederschreien von Ajatollah Rafsandschani eingesetzt. Aufgrund solcher Verdienste dürfen Bassidschis studieren, ohne dass sie irgendeine Eingangsprüfung ablegen müssen.
Ajatollah Alam ol-Hoda meinte, wenn es unter den 57.000 Bassidschi-Studenten der Region auch nur 5000 Aktive gäbe, die bereit seien, über Minen zu gehen, dann könne sie nichts mehr bremsen. Aus der Art, wie der Ajatollah formulierte, darf man schließen, dass sie auch diese 5000 nicht finden.
Alam ol-Hoda berichtete, dass die neue Regierung seit drei Monaten versuche, in Maschhad einen Rat mit Vertretern aller Richtungen einzusetzen (gemeint sind Reformisten, Anhänger der Traditionalisten und natürlich auch die Fundamentalisten), aber es sei ihnen gelungen, bislang die Bildung eines solchen Rats zu verhindern. Ajatollah Alam ol-Hoda betonte, dass sie, die Fundamentalisten, hier das Sagen hätten, es könne also nicht die Rede davon sein, dass sie in den Wahlen eine Niederlage erlitten hätten.
Alam ol-Hoda nannte noch ein weiteres Beispiel für den erfolgreichen Widerstand der Fundamentalisten in Maschhad. Die neue Regierung wollte einen neuen Provinzverwalter einsetzen, aber alle sechs Kandidaten, die die Regierung bislang vorgeschlagen habe, hätten sie abgelehnt, da sie reformistisch angehaucht seien und nicht die Überzeugung der Fundamentalisten verträten.
Er nahm zugleich Präsident Hassan Rouhani in Schutz, das sei kein Reformist, keiner aus dem Holz von Chatami, er stehe auch treu auf der Seite des Religiösen Führers, aber er sei nicht in der Lage, sich gegen die Reformisten durchzusetzen.
Im übrigen bezweifelte er die Legitimität der Regierung, die 49,3 Prozent der Stimmen der Bevölkerung nicht hinter sich habe, sprich die Hälfte der Bevölkerung. Und wenn der Religiöse Führer es nicht angeordnet hätte, könnte die neue Regierung nicht einen einzigen Schritt unternehmen.

Was den Kandidaten Dschalili angeht, den Wunschkandidaten Ajatollah Chamene‘is, interessierte sich Ajatollah Alam ol-Hoda plötzlich nicht mehr für Prozente, sondern nur noch für absolute Zahlen. Vier Millionen Menschen hätten ihm ihre Stimme gegeben, und diese vier Millionen seien nach den Worten des Religiösen Führers Ajatollah Chamene‘i ein Zeichen dafür, dass in dieser Gesellschaft ein gesunder Kern von vier Millionen existiere. Die Mehrheit derjenigen, die Dschalili ihre Stimme gegeben hätten, seien religiöse Studenten und „junge Männer voll Energie“ (seine Umschreibung für die Hisbullahis).
Alam ol-Hoda fuhr fort: „Diese vier Millionen sind der Kern der Revolution, und wir müssen sie diszipliniert bewahren, bis zum nächsten Termin der Präsidentenwahlen. Diese vier Millionen sind es, die für den Fall, dass jetzt ein Krieg zwischen Iran und Amerika ausbräche, auf dem Kampffeld die Vorhut und die Nachhut bilden würden.“
Mit anderen Worten, von den 78 Millionen Iranern betrachten die Fundamentalisten nur noch 4 Millionen als die ihrigen. Und was deren Kampfbegeisterung angeht, sollte man ihren Realismus nicht unterschätzen. In Balutschistan und Kurdistan, zwei widerständischen Regionen im Iran, sowie in Syrien, wo man reelle Chancen hat, bei bewaffneten Auseinandersetzungen ums Leben zu kommen, wollen auch die Bassidschis nicht eingesetzt werden. Sie tun alles, um in Teheran oder sonst an einem ruhigen Flecken bleiben zu dürfen.

Quellen:
http://alamolhoda.net/
http://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=68247

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