Iran: Die Hunde pfeifen auf den Herrn

Am Sonntag, den 3. November 2013, hielt der Religiöse Führer Ajatollah Chamene‘i aus Anlass des Jahrestags der Besetzung der US-Botschaft, der am Montag im Iran „gefeiert“ wird, eine Rede, in der er auch auf die Atomverhandlungen der neuen Regierung Rouhani mit dem Westen einging.
Er drückte dabei sein Misstrauen gegenüber den Absichten des Westens aus, sagte aber ausdrücklich:
„Die iranischen Verhandelnden sind unsere eigenen Jungs, es sind die Kinder der Revolution, und keiner darf sie Verräter nennen.“ (Das Wort sa:zeshka:r bezeichnet jemand, der einen billigen Kompromiss eingeht, um sich die Mühen des Widerstands zu ersparen. Hier ist es mit ‚Verräter‘ wiedergegeben, denn diesen politischen Beigeschmack hat es auch).
Modha:kere konandega:n-e ira:ni ‚bache-ha:ye xod-e ma: wa bache-ha:ye enqela:band wa hich kas naba:yad a:n-ha:ra: sa:zeshka:r bena:mad
مذاکره‌کنندگان ایرانی «بچه‌های خود ما و بچه‌های انقلابند و هیچ کس نباید آنها را سازش‌کار بماند
Interessant ist, was die iranischen Medien aus seiner Rede machten.


„Niemand darf unser Verhandlungsteam Verräter schimpfen, mit Gottes Erlaubnis werden wir bei diesen Verhandlungen keinen Schaden erleiden“
(Dschomhuriye Eslami, die Zeitung Ajatollah Chamene‘is)

Während die den Reformern und Rafsandschani nahestehenden Zeitungen am Montag diese Worte in großen Lettern auf der ersten Seite brachten, um deutlich zu machen, dass der Religiöse Führer hinter Präsident Hassan Rouhani und seiner Mannschaft stehe, und auch die Zeitung Dschomhuriye Eslami, hinter der der Religiöse Führer selbst steht, diese Worte an vorderer Stelle brachte, wurden in den Zeitungen, die andere Flügel der Machthaber vertreten, Abweichungen deutlich. Ressalat, die Zeitung des Basars, titelte:


„Wenn auch alle Trümpfe auf dem Tisch liegen, die kriegen eh nichts zustande.“
(Mit Trümpfen sind die Sanktionen bis hin zu einem militärischen Angriff gemeint.)
(Ressalat, die Zeitung des Basars)


„Jede Regierung, die auf Amerika vertraut, wird Schläge einstecken.“
(Keyhan /Teheraner Ausgabe, die Zeitung der Prinzipialisten)

Die Worte des Religiösen Führers waren längst erwartet worden, nachdem sowohl Pasdar-Generäle als auch sogenannte „unkontrollierte Elemente“ Rouhani für seine Kontakte zu Amerika kritisiert hatten – die Generäle mit Worten, die „Unkontrollierten“ mit Schuh- und Steinwurf.
Als Rouhani an der Uni in Teheran reden wollte, wurden seine eigenen Anhänger gar ausgesperrt und nur radikale Bassidschis in den Saal gelassen. Da liegt es nahe, an der Unterstützung des religiösen Führers zu zweifeln. Um die Verhandelnden bei der Stange zu halten, musste Ajatollah Chamene‘i daher deutlich machen, dass sie nach wie vor seine Unterstützung genießen.
Aber seine Hausmacht scheint nicht weit zu reichen. Während ihm die konservativen Geistlichen unter Führung von Ajatollah Rafsandschani bei den letzten Präsidentschaftswahlen einen Streich spielten, so dass statt dem Wunschkandidaten des Führers nicht Dschalili, sondern Rouhani bei den Wahlen siegte, zeigt sich jetzt der bewaffnete Arm unbotsam.

Denn die Zeitung Keyhan von Schariatmadari vertritt die radikalen Gruppen, die kein Interesse an einer Annäherung an Amerika haben. Und an diese Gruppen wären eigentlich die Worte des Religiösen Führers gerichtet gewesen. Nur – sie sind unter den Tisch gefallen, zensiert.

Die Zeitung Ressalat, die die Basarhändler vertritt, verfolgt andere Interessen. Die Händler, die mit den Pasdaran zusammenarbeiten, haben die Möglichkeit, trotz Sanktionen billige Waren aus Indien und China zu importieren und dann im Iran teuer zu verkaufen. Sie genießen eine Monopolstellung wie Schwarzhändler in Kriegszeiten. Wenn die Sanktionen beendet werden, wenn die iranische Wirtschaft wieder in Gang kommt, ist es mit diesen einfachen Gewinnen vorbei. Deshalb ist auch dieser Kreis gegen Verhandlungen mit dem Westen.

Es wird deutlich, dass der Religiöse Führer immer weniger Einfluss auf das politische Geschehen hat. Die Untergrabung seiner Macht hatte schon Ahmadineschad – aus anderen Gründen – erfolgreich betrieben, Chamene‘is „Verbündete“ setzen sie fort.

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