Iran: Wenn Ajatollahs sich um Frauen streiten

Kürzlich war im Iran der Geburtstag von Fateme, der Tochter des Propheten Mohammad. Er wird in der Islamischen Republik Iran mit offiziösen Feierlichkeiten begangen. Die Frau des neuen Präsidenten Rouhani hat diesen Anlass freilich anders genutzt und die Ehefrauen von Botschaftern eingeladen, um ihnen Folklore-Tänze aus verschiedenen Regionen des Irans vorzuführen, zum Beispiel lesgische Tänze aus dem iranischen Aserbaidschan. Die Tänze wurden von Frauengruppen aufgeführt. Nicht die Volksseele kochte, wohl aber hörte man das Wutschnauben der Bassidschis und Pasdaran, die fanden, dass man die Frau des Präsidenten vor Gericht stellen sollte.

Die Mutter steht am Küchenherd…
Der Religiöse Führer, Ajatollah Chamene‘i, fühlte sich bemüßigt, darauf hinzuweisen, dass Gott Mann und Frau mit verschiedenen Körpern erschaffen habe, die auch verschiedenen Zwecken dienten. Jeder an seinem Platz. Er behauptete gar, die schweren Tätigkeiten, die die Männer leisteten, könnten Frauen nicht schaffen. Und umgekehrt könne kein Mann den Kindern die Liebe geben, die ihnen die Mutter gebe. Sprich – Frauen sind fürs Kinderkriegen und Haushalt zuständig, der Mann schuftet draußen.
Nach dem schon vor den Nazis beliebten Motto: Die Mutter steht am Küchenherd, der Vater hält stets blank das Schwert.



Rafsandschani schilt den Religiösen Führer einen Reaktionär

Darauf erwiderte Präsident Rouhani, dass die Rechte der Frauen im Iran massiv mit Füßen getreten würden und es sei die Aufgabe der Regierung, dafür zu sorgen, dass die Frauen in der islamischen Gesellschaft zu ihrem Recht kämen.
Dabei blieb es nicht. Auch Ajatollah Rafsandschani schaltete sich ein: Er wies darauf hin, was für eine wichtige Rolle die Frau in der Islamischen Revolution von 1979 gespielt hätten und auch jetzt sehr aktiv seien. Aber die Reaktionäre seien noch immer der Ansicht, dass die Frau in den Haushalt gehöre. Diese Leuten hätten die iranische Gesellschaft noch nicht verstanden.

AkrobatIn
Und eine weitere Ohrfeige folgte, diesmal per Internet. Iranische Jugendliche posteten sich den Link zu einem Video zu, auf dem eine junge Frau und ein junger Mann anstrengende akrobatische Stücke vorführen, so von wegen, der Körper der Frau könne nicht so viel leisten.
Wenn man auf diese Webseite geht, kann man das Video selbst anschauen.

http://j.mp/1ixBEIt

Von Saulus zu Paulus?
Wenn man Rouhani und Rafsandschani reden hört, könnte man fast meinen, man hätte da Revoluzzer vor sich. Aber war das schon immer ihre Meinung? Immerhin haben beide treu der Islamischen Republik gedient.
Oder steckt Kalkül dahinter? Noch hat Chamene‘i die Macht, hinter ihm stehen die bewaffneten Organe, er kann es sich leisten, das Arschloch rauszukehren.
Aber Rouhani und Rafsandschani sitzen am kürzeren Hebel. Wenn sie Chamene‘i verdrängen wollen, brauchen sie Hilfe. Da kommen die Frauen gerade recht, so wie ihre Stimmen auch für den Wahlsieg von Chatami willkommen waren. Was ist damals aus den Reformversprechen geworden?

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