Atomenergie im Iran: Ein unrentables Geschäft


Kernphysiker Ahmad Schirsad

Wie Ahmad Schirsad, ein ehemaliger iranischer Parlamentsabgeordneter und heutiger Physik-Professor, der über Kernteilchen seine Doktorarbeit geschrieben hat, erklärt, ist die Nutzung der Kernenergie im Iran ein Verlustgeschäft. Es gebe weder ausreichende Vorräte im eigenen Land noch ließen sich diese zu günstigen Preisen abbauen. Wie er sagt, verfügt der Iran nach Angaben der Atomenergiebehörde über Vorräte von 1400 Tonnen Uranerzen, daraus lassen sich 140 Tonnen konzentrierte Uranmineralien gewinnen. Die Kosten für die Gewinnung von einem Kilogramm der „yellow cake“, wie man das konzentrierte Gemisch von Uranmineralien nennt, beträgt 260 Dollar im Iran, in manchen Staaten dagegen 20 bis 30 Dollar. Die Kosten für die Gewinnung von Uranerz im Iran sind so hoch, weil die Vorkommen in den Provinzen Jasd und Bandar-Abbas in großen Tiefen liegen. Hinzu kommt, dass die Vorräte an Uran für den Betrieb des Atomkraftwerks in Buschehr vielleicht vier bis sechs Jahre reichen, dann muss der Brennstoff ohnehin im Ausland eingekauft werden.

Atomenergie unwirtschaftlich
Aus diesen Gründen ist es laut Ahmad Schirsad wirtschaftlich unsinnig, im Iran auf die Atomenergie zu setzen. Würde man das gleiche Geld für die Entwicklung der Petroindustrie oder die Teppichindustrie investieren, hätte die Bevölkerung wesentlich mehr davon.
Laut Kenntnis von Ahmad Schirsad arbeiten im Nuklearsektor im Iran 30.000 Menschen, mehr als in vielen anderen Staaten. Was die tun, ist nicht klar, zumal es keine iranische Aufsichtsbehörde im Nuklearsektor gibt. Sprich, ein Teil der beträchtlichen Aufwendungen des iranischen Staates für die Atomenergie dürfte im Sumpf der Korruption verschluckt werden…
Als Parlamentsabgeordneter hatte Ahmad Schirsad auch die iranischen Nuklearanlagen besucht, die 30 Meter unter der Erde angelegt worden waren. Auf die Frage, wieso sie die Anlagen so weit unter der Erde gebaut hätten, das sei doch sonst nirgendwo auf der Welt der Fall, gab der Verantwortliche der Anlage keine Antwort. Er meinte nur, sie hätten einen entsprechenden Befehl erhalten.

Nuklear-Technik bedeutet nicht den Bau von Atomkraftwerken
Was die iranischen Forschungsanstrengungen im Bereich der Kernenergie angeht, ist Ahmad Schirsad der Auffassung, dass es damit nicht weit her ist. Dies sei eine Folge des Embargos. Ein Student der Kernphysik hätte heutzutage nicht einmal die Möglichkeit, an einer internationalen Konferenz teilzunehmen oder für Praktika ins Ausland zu gehen. Dadurch hätten die Studenten keine Möglichkeit, ihre Kenntnisse zu erweitern.
Die staatliche Propaganda im Iran, die vom Nutzen der Nukleartechnologie in anderen Wissenszweigen spricht, sei Augenwischerei. So würden für die Bereiche, in denen man Nukleartechnologie einsetze, keine so starken und energiereichen Strahler benötigt wie im Bereich der Energiegewinnung. Für die Nuklear-Forschung benötige man kein angereichertes Uran.

Radioaktive Verseuchung – darüber schweigen die iranischen Medien
Ahmad Schirsad kritisiert auch, dass die Medien im Iran über die Folgen der radiaktiven Verschmutzung der Umwelt schweigen. Wenn die Medien darüber die Wahrheit berichten würden, wäre auch die iranische Bevölkerung gegen die Nutzung der Kernenergie.
Für Ahmad Schirsad ist klar, dass die Fixierung auf die Kernenergie rein politisch-militärisch begründet war, während die Energiegewinnung, die Wirtschaftlichkeit oder der Nutzen für die Bevölkerung überhaupt keine Rolle spielten. Als einer der ersten im Iran, die öffentlich gegen die Nutzung der Kernenergie aufgetreten sind, hat er sich nicht beliebt gemacht. Seiner Karriere scheint sein Einsatz gegen die Kernenergie geschadet zu haben, wobei er sich allerdings nicht über Einzelheiten äußert. Vielleicht, weil seine Gegner noch an der Macht sind.

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