Iran: Die Hunde haben das Verbrechen gewittert

1988 geht als das Jahr des großen Gefangenenmassakers in die iranische Geschichte ein. Damals wurde auf Geheiß von Ajatollah Chomeini eine Todeskommission gebildet, die zu entscheiden hatte, wer hingerichtet werden sollte. Es genügte, mit Nein auf die Frage zu antworten, ob man die Islamische Republik akzeptiere, um hingerichtet zu werden. Die Mitglieder der Todeskommission sind noch heute einflussreiche Personen im Iran. So wundert es nicht, dass das Gefangenenmassaker bis heute nicht aufgeklärt wurde.
Aber das heißt nicht, dass die Öffentlichkeit nichts erfahren hat. Nach dem großen Massaker in den Gefängnissen versuchte das Regime das zu tun, was alle Mörder tun: Spuren des Verbrechens zu beseitigen, und das heißt: die Leichen zu beseitigen. In einem abgelegenen Ort östlich von Teheran, wo ein wüstenhaftes Klima herrscht, ließ die Regierung mit Baggern eine tiefe Grube ausheben, in die die Leichen geworfen wurden. Den Angehörigen der Opfer, es waren Tausende, wurde nichts mitgeteilt.
Aber die Bauern in der Umgebung stellten fest, dass die Hunde sich an einem Ort in der Wüste versammelten und dort die Erde aufwühlten. Iranische Hunde sind keine gut gefütterten Tiere wie in Deutschland, wenn sie Fleisch wittern, lassen sie sich das nicht entgehen. Und so kamen die Leichen zum Vorschein. Keiner weiß genau, wer wo begraben ist, aber die Nachricht sprach sich rum, und so begannen die Mütter und Geschwister der Ermordeten, dort Blumen niederzulegen und Trauerfeier abzuhalten. Das Regime verbot es, dann duldete sie dies, aber es bemühte sich, die Sache unter Verschluss zu halten. Aber die Mütter schwiegen nicht und organisierten sich als die „Mütter von Chawaran“, so heißt die Gegend, wo die Leichen verscharrt wurden. Die Mütter von Chawaran schrieben an viele internationale Organisationen, um auf das Verbrechen aufmerksam zu machen und es nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.
In Westeuropa hält sich die Begeisterung der Regierenden in Grenzen, die Mütter zu unterstützen, aber es gibt Länder, die vor nicht so langer Zeit eine Diktatur erlebt haben, wie Südkorea. Und dort gibt es die „May 18 Memorial Foundation“ (Stiftung zum Gedächtnis an den 18. Mai), die an das Massaker vom 18. Mai 1980 unter Diktator Chun Doo-hwan erinnert, der damals friedlich protestierende Bürger der Stadt Gwangju niedermetzeln ließ. Die Stiftung verleiht jährlich den „Gwangju Prize for Human Rights“ (Gwangdschu-Preis für Menschenrechte), z.B. 50.000 US-Dollar im Jahr 2011. Dieses Jahr hat die Stiftung den Preis an die Mütter von Chawaran sowie an einen Mann aus Bangladesch verliehen.
Ein ermutigendes Zeichen.

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