Bafq (Iran): Streikende verhaftet, trotz Kritik des Freitags-Imams


5000 Streikende in Bafq

In der Stadt Bafq, wo Tausenden von Grubenarbeitern wegen der drohenden „Privatisierung“ des örtlichen Bergwerks protestiert haben und über ein Dutzend Arbeiter verhaftet wurden, hat sich die Lage verschärft. Der Freitagsprediger von Bafq, Seyyed Dschawad Soleymani, wies in einer öffentlichen Erklärung darauf hin, dass er in seiner Zeit im Gefängnis des Schahs nicht so schwierige Situationen durchgemacht habe wie jetzt. Er merkte auch an, dass er vom Religiösen Führer eingesetzt sein, ein Hinweis auf die Machthaber, dass sie sich mit diesem anlegen, wenn sie ihn auch verhaften wollen.


Seyyed Dschawad Soleymani, Freitagsprediger von Bafq

Offensichtlich haben sich die Angehörigen der inhaftierten Arbeiter sowie die Streikenden an den Geistlichen gewandt, um ihn um seine Unterstützung zu bitten. Trotz seiner deutlichen Kritik an den Machthaber der Region Jasd, die für die Verhaftungen verantwortlich sind, kam es wenig später zu fünf weiteren Verhaftungen. Sogar der Vorsitzende des Stadtrats von Bafq, Mohammad Hassan Taschakkori, war unter den Verhafteten, wie Mohammad Abbassi Bafqi, der Sprecher des Stadtrats, gegenüber der iranischen Nachrichtenagentur ILNA bestätigte.

Die Schizophrenie des Gottestaats
Diese zusätzlichen Verhaftungen bedeuten einen Schlag ins Gesicht für den Geistlichen, der sich für die Arbeiter ins Zeug gelegt hat. Trotzdem sind sie geschehen. Sie offenbaren das Dilemma, in dem der Religiöse Führer Ajatollah Chamene‘i und sein Umfeld stecken. Einerseits benötigen sie vor Ort die Unterstützung der Bevölkerung, denn wenn die Geistlichen in der leeren Moschee predigen, ist ihr Einfluss auf die Bevölkerung denkbar gering. Andererseits müssen die Machthaber ihre bewaffneten Unterstützer – zum Beispiel unter den Pasdaran – finanziell willig halten. Dies ist angesichts der noch immer niedrigen Erdölpreise nur möglich, indem der Außenhandel in Form eines Schmugglerkartells betrieben wird, bei dem die Beteiligten entsprechende Anteile bekommen. Andererseits werden noch nicht ruinierte Staatsbetriebe als Beute betrachtet, die man unter den Anhängern unter dem Vorwand der „Privatisierung“ verteilen kann. Das geht solange, bis alles „privatisiert“ ist. Hier kommen die gleichen Machthaber in Konflikt mit der Lokalbevölkerung, der die Arbeitsplätze wichtiger sind. Und deshalb untergraben sie sogar die Autorität des höchsten lokalen Geistlichen, denn erst kommt das Fressen, dann die Moral.

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