ISIS und die PKK: Ein strategischer Fehler?

Am 7. Oktober war in türkischen Zeitungen zu lesen, dass etwa 50 maskierte PKK-Anhänger in Zusammenhang mit dem Vorrücken der ISIS auf Kobani (an der syrisch-türkischen Grenze) das türkische Generalkonsulat in Bregenz (Vorarlberg) mit Steinen beworfen habe und dabei einige Scheiben zu Bruch gegangen seien. Vor dem UN-Gebäude in Genf habe sich eine Gruppe von PKK-Sympathisanten mit Öcalan-Postern und PKK-Fahnen versammelt. Etwa 10 Personen hätten dann die Eisengitter übersprungen und sei in den Bereich vorgedrungen, in dem die Staatsfahnen der UN-Staaten aufgehängt sind. Sie hätten versucht, die türkische Fahne runterzuholen, seien aber von UN-Personal daran gehindert worden. In Brüssel (Belgien) sei eine Gruppe gewaltsam ins Gebäude des Europaparlaments eingedrungen, um gegen das Eindringen der ISIS in Kobani zu protestieren. Der Parlamentspräsident Martin Schulz habe Vertreter der Aktivisten empfangen, aber gegen das gewaltsame Vorgehen protestiert. Vor dem Parlamentsgebäude hielten etwa 100 Personen einen Sitzstreik ab. In Marseille (Frankreich) hat eine Gruppe von Protestierenden morgens vier Molotowcocktails auf das Türkische Generalkonsulat geworfen. Am Abend habe eine 20-köpfige Gruppe versucht, gewaltsam ins Generalkonsulat einzudringen, sei aber von Sicherheitskräften des Konsulats, nicht der französischen Polizei, daran gehindert worden. Darauf hätten die Angreifer Steine und Ziegel auf das Konsulat geworfen, auch hier seien Scheiben zersplittert. Protestkundgebungen gegen den Vormarsch von ISIS wurden auch von Kurden auf dem Charles de Gaule-Flughafen in Paris, auf dem Flughafengelände von Kopenhagen und auf dem internationalen Fiumicino-Flughafen in Rom abgehalten.

Das gleichzeitige und zugleich internationale Vorgehen macht deutlich, dass es sich um eine koordinierte Aktion handelt. In einer Situation, in der die türkische Regierung ohnehin zögert, auf Seiten der Kurden gegen die ISIS in Kobani einzuschreiten und eher bestrebt ist, die Grenzen dicht zu machen, ist ein solches Vorgehen ein grundlegender Fehler. Maskierte Angreifer und gewaltsames Auftreten und speziell Angriffe auf die türkische Fahne treiben türkisch-nationalistische Kreise in die Arme der Regierungspartei AKP und erhöhen den Druck der öffentlichen Meinung in der Türkei, die Kurden ihrem Schicksal zu überlassen. In Leserbriefen an die Zeitung Radikal kann man zum Beispiel lesen, dass die Kurden, die doch im Irak ihren Staat und ihre Truppen hätten, selber dafür sorgen sollten, ihre Gebiete zu schützen.

Quelle:
http://j.mp/1vONwJK

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