Iran: Erdöl für Russland

In diesem Zusammenhang sei auch auf eine Meldung der russischen Nachrichtenagentur ITAR-TASS über eine Pressekonferenz von Präsident Putin vom 18. Dezember 2014 hingewiesen.

In der Meldung heißt es, dass sich Russland und der Iran in einem Memorandum vom 6. August 2014 geeinigt hätten, Öl gegen Ware zu tauschen. Der Iran sei bereit, 500.000 Barrel am Tag (25 Millionen Tonnen Erdöl im Jahr) an Russland zu liefern und erhalte dafür Getreide und Teile, die zum Bau der Energieinfrastruktur notwendig seien (von der Firma Technopromeksport). Der Umsatz aus diesem Handel solle schätzungsweise 1,5 Milliarden Dollar im Monat betragen (also 18 Milliarden im Jahr). Unterstellt man, dass der Wert der Ware beider Seiten gleich groß ist, also keine Seite Schulden eingeht, würde das 9 Milliarden Dollar für die 25 Millionen Tonnen iranisches Erdöl bedeuten, also 360 Dollar pro Tonne. 1 Barrel entspricht etwa 0,136 Tonnen Rohöl, also 0,136*360=49 Dollar pro Barrel. Am 6. August betrug der Weltmarktpreis für die Sorte Brent knapp 105 Dollar pro Fass!

Allerdings steht dieses Memorandum bis heute auf dem Papier: Denn noch am 30. November 2014 sprach der russische Wirtschaftsminister Aleksey Ulyukayev davon, dass die Lieferungen von Ware gegen Erdöl aus dem Iran „in der nächsten Zeit“ beginnen würden. Was nun Präsident Putin hierzu sagte, ist recht aufschlussreich: „Da ist es sehr schwierig mit den Abrechnungen. Da gibt es einen ganzen Problemkomplex. Aber insgesamt haben wir ihn gelöst.“ Und er fügte hinzu: „Notwendig ist der Wille beider Seiten“. Und der russische Präsident wird weiter zitiert: „Es ist notwendig, dass die Verträge im Erdölbereich für die Firmen (die Vertragspartner – Red.) von Vorteil sind.“

Kommentar:

Der letzte Satz klingt banal, aber bedenkt man, dass der Erdölpreis für das Nordseeöl Brent am 26. Dezember 2014 knapp 60 Dollar pro Barrel betrug, dann liegt man heute 40 Dollar tiefer als Anfang August. Wenn die russische Seite weiterhin 50 Dollar pro Barrel als Gewinnmarge einkalkuliert, müsste sie den Preis auf 10 Dollar drücken! Und dass es mit den Abrechnungen schwer ist, wenn die Exporteinnahmen am staatlichen iranischen Haushalt vorbei in die Taschen der Pasdaran und der Leute um Ajatollah Chamene‘i wandern sollen, ist klar, vor allem, wenn nicht mit Geld bezahlt wird, sondern mit Waren. Auch sind die Sanktionen gegen den Iran noch nicht aufgehoben, das macht den Handel auch nicht einfacher.

Für die iranische Landwirtschaft und Industrie ist dieser Tauschhandel wahrscheinlich nicht besser wie der mit Indien und China. Im Ergebnis wird die einheimische Landwirtschaft ruiniert, weil die Bauern nicht mehr auf ihre Kosten kommen, und die Entstehung einer eigenen Industrie wird durch solche Importe behindert, von der Zerstörung der bestehenden ganz zu schweigen. Insofern fügt sich die Wirtschaftspolitik der Regierung Hassan Rouhani nahtlos in die seines Vorgängers Ahmadineschad ein. Der Grund dürfte darin liegen, dass sie nicht die Macht haben, gegen die Wirtschaftsinteressen der Pasdaran und des Sohnes von Ajatollah Chamene‘i, Modschtaba Chamene‘i, durchzusetzen. Der Vorstoß des Parlamentariers Ahmad Schirsad, die Abhängigkeit von Russland in einer öffentlichen Diskussion an der Uni Teheran (am 17.12.2014) zu thematisieren, könnte allerdings als Versuch gewertet werden, die Studenten in die Auseinandersetzung mit einzubeziehen, um so die Wirtschaftsmacht der iranischen „Moskau-Fraktion“ zu begrenzen. Ob sich die iranischen Studenten, die schon genug Verfolgung erlebt haben, allerdings dafür instrumentalisieren lassen, ist eine andere Frage.

Quellen:

http://j.mp/13EI6Z3

http://j.mp/13EI4QV

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