Iranischer Menschenrechtspreis für Moulawi Abdolhamid, Oberhaupt der Sunniten


Iranischer Menschenrechtspreis für Moulawi Abdolhamid, Oberhaupt der Sunniten

Narges Mohammadi, die Vize-Vorsitzende des Vereins der Menschenrechtsverteidiger (im Iran) hat die iranische Region Sistan und Balutschistan besucht und Moulawi Abdolhamid ein Imitat des Tonzylinders mit einem Erlass von König Kyros II. als Preis für seinen Einsatz für die Menschenrechte überbracht.


Moulawi Abdolhamid

Moulawi Abdolhamid äußerte bei der Entgegennahme des Preises den Wunsch, dass alle Überzeugungen und Religionen friedlich und unter gegenseitiger Achtung miteinander leben können sollten.


Narges Mohammadi

Narges Mohammadi würdigte in ihrer Rede die friedensstiftende Tätigkeit von Moulawi Abdolhamid. Er ist der höchste Geistliche der Sunniten im Iran und unter anderem der Freitagsprediger der Sunniten in Sahedan, der Hauptstadt von Sistan und Balutschistan. Sein friedlicher Einsatz für die Rechte der Sunniten, die in der „Islamischen“ Republik Iran keineswegs geachtet werden, ist ihn bis jetzt teuer zu stehen gekommen.

So wurden mehrere Angehörige seiner Familie verhaftet, namentlich Mohammad Esmail Molla-sehi und Abdolalim Schah-bachsch, beides Ehemänner seiner Töchter. Die beiden wurden monatelang in Einzelhaft gehalten und dann in fern gelegene Regionen verbannt.


Moulawi Ahmad Naru‘i

Sein Schwiegersohn Moulawi Ahmad Naru‘i und Moulawi Abdolfatiy Badri, einer seiner engen Mitarbeiter, waren laut Berichten ebenfalls verhaftet worden. Moulawi Ahmad Naru‘i kam später bei einem Autounfall ums Leben. Er selbst, Angehörige seiner Familie und seine Söhne erhielten in den letzten Jahren Ausreiseverbot. Trotz dieser Umstände ist Moulawi Abdolhamid nicht in extremistische Positionen abgeglitten, sondern setzt sich weiterhin für Aussöhnung und friedliches Zusammenleben der Religionen ein. Dies ist vor dem Hintergrund der Existenz bewaffneter Gruppen in Balutschistan, die auch Anschläge gegen die Regierungskräfte verüben, keine Selbstverständlichkeit.

Kommentar:

Angesichts der anhaltenden Unterdrückung ethnischer und religiöser Minderheiten im Iran ist die Preisverleihung durch die iranische Menschenrechtsorganisation an einen Vertreter der Sunniten und der Balutschen ein wichtiges Gegensignal zur staatlichen Politik, die gegenüber Arabern, Aseris, Kurden und Balutschen vor allem auf bewaffnete Gewalt und Repression setzt. Narges Mohammadi tritt hier als Vertreterin einer Zivilgesellschaft auf, die nach dem Ende der religiösen Schreckensherrschaft das Schicksal des Landes bestimmen könnte. Angesichts der Tatsache, dass die Regierungen des Westens wie des Ostens mit den Menschenrechten im Iran nichts zu tun haben wollen, ist es wichtig, dass die iranische Gesellschaft sich selbst organisiert hat und selbst ihre Auszeichnungen verleiht. Natürlich bringt das dem Ausgezeichneten nicht so viel Geld ein wie ein Nobelpreis, aber es sind Zweifel angebracht, ob diese Summen ein Segen für die Ausgezeichneten sind. Geld verdirbt den Charakter – auch im Iran!

Auch die Tatsache, dass ein aus der Zeit nach 538 vor Christus erlassenes Edikt von König Kyros II. (Kyros der Große), das er nach der Übernahme der Herrschaft über Babylonien erlassen hat, als Symbol des Menschenrechtspreises gewählt wird, zeigt, dass die Menschenrechtsbewegung im Iran ihre eigenen Bezugspunkte gefunden hat und keine importierte Kopie aus dem Westen darstellt.

Eine Ironie der Geschichte ist freilich, dass besagtes Edikt, das mit seinem Alter von über 2500 Jahren gern als erste überlieferte Menschenrechtserklärung dargestellt wird, gar nicht das besagt, was viele Iraner ihm zuschreiben. Doch darüber in einem anderen Artikel.

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